Von Nadine Gassner
BAD WALDSEE Im großen Saal des Feuerwehrhaus Bad Waldsee haben sich am Mittwoch Vertreter der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks (THW), der Polizei, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aus dem Landkreis Ravensburg, sowie CDU Landtagsabgeordnete versammelt. „Wir suchen heute das Gespräch mit allem, was Blaulicht hat“, sagte Thomas Blenke, Mitglied im Vorstand der CDU-Landtagsfraktion. „Der Hauptaugenmerk dieses Treffens soll auf der ehrenamtlichen Tätigkeit liegen. Das Ehrenamt hat einen Riesenwert, der hochgehalten und gepflegt werden muss“, sagte der Abgeordnete. Er sehe in der Förderung des Ehrenamtes aber dunkle Wolken aufziehen. So gebe beispielsweise die Auflösung des freiwilligen Polizeidienstes durch die Landesregierung ein katastrophales Signal an die Gesellschaft. „Gerade deshalb ist es wichtig, Werbung für das Ehrenamt zu machen, der auch Arbeitgeber den Wert des Ehrenamtes erkennen lässt“, sagte Blenke. Gemeinsam könne man zum Beispiel über eine Imagekampagne für das Ehrenamt nachdenken, fügte er hinzu. „Im gesamten Landkreis sind die BOS nahezu alle ehrenamtlich organisiert“, erklärte Oliver Surbeck, Ravensburger Kreisbrandmeister. „Sogar in Städten wie Ravensburg mit 50 000 Einwohnern läuft alles über das Ehrenamt“, betonte er. Das sei gut, aber auch belastend. So brauche man mehr kommunale Unterstützung der Verwaltungen. Die Feuerwehr im Landkreis könne sich zum jetzigen Zeitpunkt glücklicherweise nicht über mangelnden Nachwuchs beschweren, fügte der Kreisbrandmeister hinzu.

Anders sieht das beim DRK aus. „Gerade bei den Arbeitgebern ist das DRK nicht so angesehen wie die Feuerwehr“, sagte Jörg Kuon, Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbands Wangen. „Da fragen wir uns immer wieder, was kann die Politik machen. Auch der Bundesfreiwilligendienst ist in unserer Region sehr wenig gefragt“, sagte Kuon. Momentan brauche das DRK viel Geld für die Nachwuchsförderung. „Wir bilden Jugendliche in erster Hilfe aus und beraten Lehrer“, erzählte der DRK Geschäftsführer. „Die Schulen können das Rekrutierungsproblem nicht lösen. Die müssen auch so schon sehr viel leisten“, entgegnete dem Werner Raab, Ettlinger Landtagsabgeordnete.

Bernhard Abouid, technischer Leier Wasserrettungsdienst, warnte vor einem „Missbrauch des Ehrenamts“. „Wir müssen jährlich 40 000 bis 70 000 Euro aus eigener Kasse bezahlen, um die DLRG aufrecht zu erhalten“, sagt Bernhard Abouid, technischer Leiter Wasserrettungsdienst. „Hinzu kommt, dass immer mehr Hallenbäder schließen – das Hallenbad in Vogt ist nur ein Beispiel. Immer weniger Kinder lernen schwimmen und sind somit auf die DLRG angewiesen. Die Ehrenamtlichen des DLRG müssten zudem immer weiter fahren, um auch im Winter trainieren zu können. „Das ist aber für sie wiederum mit Kosten verbunden. Das sind zu viel Anforderungen für den Rettungsdienst. Wo ist da die soziale Verantwortung der Politik?“, fragte Abouid.

Josef Hiller, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Ravensburg, bedauert die Auflösung des freiwilligen Polizeidienstes sehr. „Wir hatten bei der Einstellung extra darauf geachtet, mit den Ehrenamtlichen verschiedene Gesellschaftsbereiche zu erreichen. So hatten wir ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich auch mit Migranten in ihrer Muttersprache unterhalten konnten“, sagt Hiller. Das falle jetzt alles weg. „Das Ehrenamt ist das Markenzeichen unseres Bundeslandes und wir werden daran arbeiten, damit es so bleibt“, versprach Blenke abschließend.

(Erschienen in der Schwäbischen Zeitung: 09.01.2013 19:10)